Leo Brunschwiler

Geheimnisvolle Welten

Ausstellungsbesprechnung im Mannheimer Morgen 17.12.02
von Susanne Kaeppele

Spiralen begegnen dicken, gelben Punkten, schwarze Kreuze bilden eine virtuelle Weltkarte, grüne Wasserpflanzen treiben umher. Mit Öl und Farbstift auf Transparentfolie zeichnet der Schweizer Künstler Leo Brunschwiler seine buntfarbigen Gebilde. Durch das Passepartout im Bilderrahmen wird der erste Eindruck der Folie noch verstärkt: Wie aus einer anderen Welt erscheinen dem Betrachter die eigentümlichen Linien, Punkte und Flächen, die er da auf der Fläche sieht, sehr entfernt, weit weg. Brunschwiler ertastet sich einen Mikrokosmos, der mal nervös, mal gestisch ist, mal an Kinderzeichnungen, mal an geometrische Vorbilder erinnert. Er sagt, dass "es" malt und zeichnet in ihm, wenn er die entsprechende Gelegenheit dazu schafft.

Das erinnert an die Surrealisten und ihre "écriture automatique", das automatische Schreiben, an ihre Versuche, das Bewusstsein zu umgehen, um zu einer neuen Art der Kunstproduktion zu gelangen. Aber auch an das Schreiben selbst, das dem Zeichnen ja sehr verwandt ist: Die Hand hält den Stift, der entweder sinnvolle, erlernte Buchstaben bildet oder Linien, die die Realität wiedergeben, oder sinnlose, dafür aber ästhetisch ansprechende Krakeleien produziert.

An den amerikanischen Künstler Cy Twombly muss man hier ebenfalls denken, aber Brunschwilers Zugang verdankt sich viel eher der Farbe: Für ihn scheinen Kobaltblau, Orange, Grün, Rot wie geliebte Wesen zu sein, die er auf die Fläche setzt oder tüpfelt. Manche Farbflecken erinnern an Schlachtformationen, die sich dann wieder auflösen, sowohl die Kompanien als auch die Farbtupfen, die zu Schlieren werden. Brunschwilers Aquarelle auf Papier, von denen in der Galerie Hubert einige ausgestellt sind, fallen wegen ihrer Gegenwärtigkeit zurück hinter die transparenten Bilder, in die man eintauchen kann.

So wie in dieses rätselhafte Blatt: Ein Andreaskreuz, halb in Grün, halb in Rotgelb, hängt über einer rosa Landschaft, die von dicken, schwarzen, vertikalen Linien durchmessen wird. Wie Abkürzungen von Gras wirken die diagonalen Zeichen daneben, Pinselspuren in Blau stoßen an einen wirbeligen Kreis im gedachten Himmel, aber: Kann man Schönheit tatsächlich beschreiben?

Galerie Hubert, R 6, 3-4, bis 21. Dezember, Dienstag bis Freitag 15-19 Uhr, Samstag 11-15 Uhr. Freitag 20.12., 17 bis 20 Uhr.


© Mannheimer Morgen  –   17.12.2002

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