Leo Brunschwiler

Ausstellung in der Galerie Hubert Mannheim

Vernissageansprache von Armin Hubert


Der Kunstkritiker Harald Rosenberg äusserte sich einmal mit den Worten: "Nicht ein Bild gehört auf die Leinwand, sondern ein Ereignis". Dieser prägnante Satz fiel mir spontan bei der Betrachtung der hier ausgestellten Arbeiten ein.

Armin Hubert - Leo Brunschwiler      Blick in die Ausstellung

Leo Brunschwiler lässt uns an seinem Leben teilhaben. Wer bereit ist, sich zu öffnen, den führt er durch seine Bilderwelten, und lässt uns in tiefe Schichten seines Unterbewusstseins blicken. Hier ist sozusagen der momentane Gemütszustand seines Schöpfers eingefangen und konserviert; mit all seinen Empfindungen. Ob Sorgen, Ängste, Freud oder Leid. Jede Arbeit hat so seine eigene abgeschlossene Geschichte. Im Zusammenhang sind sie aber nicht voneinander zu trennen. So schließt sich der Kreis.

Die Aquarelle und Zeichnungen unterliegen zwar unabhängig voneinander einer eigenen Intension. Bei näherer Betrachtung entdeckt man in den Arbeiten aber oft eine Übereinstimmung . Dies hängt damit zusammen, dass Brunschwiler sich ausschließlich als Zeichner sieht. Auch bei den Aquarellen, die erst später hinzukamen, ist dies gut zu erkennen. Sie verlangen aber nach Eigenständigkeit.

Die Aquarelle haben trotz oder gerade wegen der Grösse eine enorme meditative Kraft und Ausstrahlung. Der Künstler vermag auf einer kleinen Fläche die Essenz der Farbe zu bündeln, der wir uns nur schwer entziehen können.

Diese Stimmung wird in manchen Arbeiten nur von einem schwungvollen Pinselduktus unterbrochen. Es herrscht eine sublime Ordnung zueinander und zu dem Format. Der Verzicht auf gegenständliche Darstellung übt ein starkes Eigengewicht auf Form und Farbe aus.

Hier haben wir es mit kleinen meditativen Kraftfeldern zu tun, die auf Grund ihrer Grösse unser Blickfeld bewusst anziehen. Die sinnliche Empfindung von Farbe und Raum steht hier im Vordergrund.

Anders bei den Zeichnungen von L.Brunschwiler: Zeichen, Symbole und Chiffren kommen uns in den Sinn. Es findet scheinbar eine bewusste Auseinandersetzung und Anknüpfung an Formen aus unserem Alltag statt. Wenn es auch nicht so aussieht, aber hier herrscht Ordnung im scheinbaren Chaos.

Anders wie bei den Aquarellen, denen allein durch die Technik ein strenger Farbverlauf untersagt bleibt, ist bei den Zeichnungen eine Kombination von Zufall und Absicht zu erkennen. Diese werden auch bewusst angeordnet und gegliedert. Der komplexe Bildaufbau entspricht der Vielschichtigkeit der Bildsprache. Es findet eine Strukturierung des Bildorganismus statt. Wir befinden uns zwischen Figuration und Abstraktion. Bildthemen die Musik, das Magische oder Kosmische zum Inhalt haben verdeutlichen die Suche nach dem Gleichgewicht der Kräfte und deren Ausdrucksmöglichkeit.

Für die Zeichnungen verwendet er ausschliesslich Transparentfolie. Dies nicht ohne Grund. Während herkömmliches Papier die Arbeit fest an sich binden würde, so hat man hier das Gefühl, das Bild sei in einen Schwebezustand versetzt. Als ob es sich jeden Moment von der Folie lösen würde um in eine andere Dimension zu wechseln. Sehen wir hier den Bildhauer Leo Brunschwiler ? Auch ist der Reibungszustand des Papiers herabgesetzt, was den Stift leichter über das Blatt gleiten lässt, so sind feine innere Schwingungen leichter zu spüren und umzusetzen. Der Fluss von Gefühlen und Gedanken, die während des Arbeitsprozesses an die Oberfläche dringen, können so leichter abgerufen werden. Brunschwiler schafft hier ein Kräftefeld, welches alle Grenzen zu überwinden scheint, ohne aber das Gleichgewicht dabei zu verlieren.

Trends kommen und gehen. Leo Brunschwiler steht aber für Eigenständigkeit. Seine Kunst fesselt und berührt den Betrachter nachhaltig. Ein Künstler muss die Menschen nachhaltig bewegen und ihr Leben bereichern. Alles andere wird in Vergessenheit geraten.

Lassen sie sich auf die Schwingungen, die von diesem Raum und den Arbeiten ausgehen, ein. Kommunizieren sie mit diesen Bildern. Und ich bin davon überzeugt Sie werden ihnen antworten.

© Armin Hubert
Mannheim, im November 2002


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